Allgemeines

Begrifflichkeiten
Geschichtliches
Fleischis in der ganzen Welt daheim
Zusatznahrung? Verdauung
Gattungen, Arten, Präkarnivoren, Familien
Aktive oder passive Klebfalle?

Fleischfressende Pflanzen sind etwas besonderes. Manche Menschen sprechen sogar von intelligenten Pflanzen: Immerhin haben sie die Fähigkeit entwickelt Tiere anzulocken, zu fangen, zu töten und zu verwerten, also die Nährstoffe aus ihnen herauszufiltern und für sich zu verwenden. Geniale Fangmethoden wurden entwickelt, immer wieder neue Tricks gefunden, Tiere zu überlisten.

Begrifflichkeiten:
Viele Namen gibt es für diese kleinen Wunder der Natur:

-der allgemein gültige Name ist "fleischfressende Pflanze" oder lateinisch "karnivore Pflanze" (lat. karnivor=fleischfresser, daher werden auch andere fleischfressende Lebewesen Karnivoren genannt, dies ist also nicht auf fleischfressende Pflanzen begrenzt) oder einfach nur Karnivore.

-auch "Insektenfressende Pflanze" wird genutzt. Früher war dies die gültige Bezeichnung, was im ersten Moment auch logisch erscheint, da diese Pflanzen nicht direkt Fleisch (fr)essen. Der Begriff "insektenfressende Pflanze" wurde deshalb zu "fleischfressende Pflanze" erweitert, da z. B. in Wasser lebende Karnivoren keine Insekten sondern kleinste Wassertierchen fangen und verdauen. Auch wurde schon Skelette eines kleinen Affen oder Mäusen in karnivoren Pflanzen gefunden, was aber eher zufällige Zusammenkünfte waren.

- von Karnivorenhaltern und -liebhabern werdern sie auch liebevoll "Fleischis" genannt.

- "Killerpflanzen" und ähnliche Bezeichnungen sind völlig überzogen. Die Beute besteht im allgemeinen größtenfalls aus Spinnen. Es wurden zwar schon Rattenskelette in den tropischen Kannenpflanzen gefunden, aber da die Lockstoffe Insekten anziehen sollen, war das wohl ein eher zufälliges Hineinfallen eines Tieres. Diese Pflanzen können sich zum Teil meterhoch ranken und ernähren sich hauptsächlich wie "normale" Pflanzen durch Fotosynthese. Auch ihre wenigen Wurzeln nehmen Nährstoffe auf.

Geschichtliches:
Die ersten fleischfressende Pflanzen wurden im 12. Jahrhundert beschrieben, es handelte sich dabei um zwei Arten von Sonnentau, die von Mönchen als Heilmittel genutzt wurden. Auch heute noch werden fleischfressende Pflanzen in der Medizin eingesetzt.
1825 veröffentlichte Charles Darwin das erste umfassende Werk über diese Pflanzen - bis 1925 wehrten sich Wissenschaftler und Allgemeinheit zu glauben, dass Pflanzen die Fähigkeit hätten Tiere zu fressen; es wurde sogar versucht zu beweisen, dass dies nicht möglich ist. Es passte einfach nicht in das vorhandene kirchliche Weltbild der Menschen. Klar war, dass Tiere andere Tiere fressen, und Tiere Pflanzen fressen, aber unfassbar war, dass Pflanzen Tiere fressen sollten. So kursierten auch die wildesten Märchen und Gerüchte von Pflanzen, die Menschen fressen, dazu gibt es auch Stiche, also Darstellungen dieser Ungeheurpflanzen. Begünstigt wurden diese "Märchen" sicher auch dadurch, dass die einheimischen fleischfressende Pflanzen in Mooren beheimatet sind und Moore allgemein als unheimlich galten.

Fleischis in der ganzen Welt daheim
Die Gattungen und Arten der fleischfressende Pflanzen findet man überall: Es gibt sie unter anderem im tropischen Regenwald, im heißen und trockenen Australien, in Südafrika oder zum Beispiel hier bei uns, wo sie Fröste überleben müssen. Im Laufe der Zeit passten sie sich an ihre Umgebung an, gemeinsam haben sie allerdings, auf nährstoffarmen, meist sehr feuchten, Böden zu leben und sich Zusatznahrung zu verschaffen.

Zusatznahrung? Verdauung
Fleischfressende Pflanzen können ohne Probleme ohne diese fliegende Zusatznahrung auskommen. Die Nährstoffe in den Böden geben ihnen genug zum Leben, doch diese "Happen zwischendurch" beeinflussen das Wachstum der Pflanzen positiv.
Da sie auf fliegende Nahrung zurückgreifen können, haben sie die Möglichkeit, Bereiche zu besiedeln, in denen sonst kaum etwas wächst.
Wenn die Beute allerdings zu groß ist, kann es sein, dass die Pflanze es nicht schafft sie ganz zu verdauen und sie dann mit dem Blatt zusammen verschimmelt.
Nach der Verdauung werden die unverdaulichen Reste wie z.B. der Chitinpanzer vom Wind weggehweht oder vom Regen abgespült. Die Pflanze ist für einen neuen Fang bereit.

Gattungen, Arten, Präkarnivoren, Familien
Mittlerweile gibt es etwa 17 Gattungen und über 600 Arten und es werden immer noch neue entdeckt. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Gattungen zusammengelegt, ein gutes Beispiel hierfür liefert Utricularia.
Die ungefähre Zahl der Gattungen kommt daher, dass man dies verschieden auffassen kann, je nachdem ob man die sogenannten Präkarnivoren mitzählt oder nicht. Zu Präkarnivoren gehören all die Pflanzen,

- bei denen noch nicht geklärt ist, ob sie wirklich auch die gefangenen Tiere verdauen, als Beispiel die Bromelien: In den Trichtern finden sich oft Insekten, doch ob die Pflanzen sie wirklich verwerten (können) ist nicht bei allen Arten abschließend geklärt.

- die die gefangene Beute nicht selbst verdauen, hier dient als Beispiel Roridula, die auf ihr lebenden Wanzen fressen die Beute und die Pflanze profitiert von deren Ausscheidungen.

Bei den Familien wird dann alles noch komplizierter. Das hängt sozusagen mit dem Stammbaum der einzelnen Gattungen zusammen. So sind zum Beispiel der Wasserschlauch und das Fettkraut miteinander verwandt und die Sonnentaugewächse und die Venusfliegenfalle.

Aktive oder passive Klebfalle?

Die kursiven Gattungen sind Präkarnivoren.

Man spricht bei fleischfressenden Pflanzen von aktiven Fangmethoden, wenn sie sich zur Beute hinbewegen, z.B. sich das Blatt über ihr zusammenrollt.

KLEBFALLE GRUBENFALLE KLAPPFALLE SAUGFALLE REUSENFALLE
Byblis
Regenbogenpflanze
passiv
Brocchinia
Bromelie
passiv
Aldrovanda
Wasserfalle
aktiv
Utricularia
Wasserschlauch
aktiv
Genlisea
Reusenfalle
aktiv
Drosera
Sonnentau
aktiv + passiv
Catopsis
Bromelie
passiv
Dionaea
Venusfliegenfalle
aktiv
Drosophyllum
Taublatt
passiv
Cephalotus
Zwergkrug
passiv
Ibicella / Proposcidea
Teufelskralle
passiv
Darlingtonia
Kobralilie
passiv
Pinguicula
Fettkraut
aktiv + passiv
Heliamphora
Sumpfkrug
passiv
Roridula
Taupflanze
passiv
Nepenthes
Kannenpflanze
passiv
Triphyophyllum
Dreifaltigblatt
passiv
Sarracenia
Schlauchpflanze
passiv

Die Gattung Drosera und Pinguicula haben sowohl passive als auch aktive Fallen. Manche Arten bewegen sich auf ihr Opfer zu, wickeln es regelrecht ein oder drücken es mit ihren Tentaklen vom Rand zurück in die Blattmitte, andere jedoch rühren sich überhaupt nicht.