Fangmethoden

Fleischfressende Pflanzen haben insgesamt fünf verschiedene Methoden entwickelt, Tiere zu fangen und zu verdauen:

Klebfalle
Grubenfalle
Klappfalle
Saugfalle
Reusenfalle

Diese sollen nun kurz vorgestellt werden:

Klebfalle
Die Pflanzen, die ihre Beute mit Hilfe von Klebfallen anlocken, zeichnen sich dadurch aus, dass Teile oder auch das ganze Blatt voll von Drüsen mit klebrigem Sekret sind. Die Insekten werden durch Nektar, honigsüßen Duft, das Glitzern der kleinen Tropfen oder durch die Farben angelockt. Sobald das Insekt auf der Pflanze landet, verklebt es, durch Befreiungsversuche verklebt es nun immer mehr und Tentakelbewegungen der Pflanze fixieren es zudem oft auf die Blattmitte, meist dem Zentrum der Verdauungsdrüsen.
Durch die Drüsen wird das Insekt erst getötet - Erstickungstod - und dann ausgesaugt. Die unverdaulichen Reste, wie zum Beispiel der Chitinpanzer, werden vom Regen abgespült oder vom Wind weggeweht.
Vertreter der Klebfalle sind: Sonnentau (Drosera), Regenbogenpflanze (Byblis), Fettkraut (Pinguicula), und Taublatt (Drosophyllum).
Einzig beim unscheinbaren Fettkraut ist es vielleicht etwas schwierig, die typischen Tautröpfchen zu sehen, sie befinden sich sehr dicht beieinander, direkt über der Oberfläche des Blattes, was für das menschliche Auge dann fast wie eine gesamte klebrig-rutschige Oberfläche des Blattes erscheint.


Grubenfalle
Bei den Grubenfallen entwickelten sich die Blätter im Laufe der Evolution zu Kelchen oder Schläuchen. In einigen Arten sammelt sich Regenwasser, wieder andere haben sozusagen einen "Deckel" entwickelt, damit die Verdaungsflüssigkeit nicht durch das eindringende Regenwasser verdünnt wird. Alle Vertreter der Grubenfallen sind am oberen Rand des Blattes, dem Kragenrand, sehr rutschig und meist mit zahlreichen Nektardrüsen versehen; kein Tier kann darauf Halt finden, es fällt zwangsläufig in die Tiefe und somit in die Verdaungssäfte. Unten in den Kelchen ertrinkt das Insekt. Das Entkommen wird durch eine wachsartig beschichtete und mit nach unten gerichteten Haaren besetzte Zone verhindert. Auch diese Fallen locken ihre Beute durch Nektar und bunte Farben an.
Vertreter der Grubenfalle sind: Schlauchpflanze (Sarracenia), Kobralilie (Darlingotnia), Zwergkrug (Cephalotus), Kannenpflanze (Nepenthes) und Sumpfkrug (Heliamphora).


Klappfalle
Die Klappfalle dürfte wohl mit die bekannteste Fangmethode sein. Hier gibt es zwei Vertreter: Die bekannte Venusfliegenfalle (Dionaea) und die weniger bekannte Wasserfalle (Aldrovanda), von der nicht geklärt ist, ob sie noch in Deutschland heimisch ist. Die Falle der Venusfliegenfalle ist aus zwei Blatthälften aufgebaut mit je drei Fühlborsten auf jeder Seite. An den Rändern der Falle sind etwa 15-20 Randzähne, die beim Schließen der Falle ineinandergreifen und so die Beute am Entkommen hindern. Das Insekt, angelockt durch Nektar und die schimmernde Rotfärbung, die an frisches Fleisch erinnert, landet auf der Falle, berührt nun zwei der Fühlborsten innerhalb von 20 Sekunden und schon schließt sich die Falle in 1/20 Sekunde. Allerdings können kleine Insekten durch die gitterähnlichen Verstrebungen entkommen, ein Mechanismus um die Verhältnismäßigkeit zwischen zu gewinnender Energie und Kraftaufwand der Verdauung zu schaffen.
Die Wasserfalle funktioniert nach dem gleichen Prinzip, lebt aber komplett im Wasser, daher besteht auch ihre Beute aus Wasserlebewesen. Die Fallen der Wasserfallen sind nur 1 cm groß, und die beiden Fallenhälften werden fest zusammengepresst, damit keine Verdaungsflüssigkeit im Wasser verloren geht.


Saugfalle
Nur eine einzige Gattung - dafür die Gattung mit den meisten Arten - fängt ihre Beute durch die sogenannte Saugfalle: Der Wasserschlauch (Utricularia). Dieser lebt entweder direkt im Wasser (aquatisch), in sehr feuchtem Substrat (terrestrisch) oder als Aufsitzerpflanze (epiphytisch) im Regenwald. Die Fallen sind winzig klein, die größten sind 1 cm lang. Die Fangorgane bestehen aus sehr kleinen Kammern, in denen die Pflanze einen Unterdruck herstellt. Am Falleneingang befinden sich sehr empfindliche Haare; sobald diese merken, dass sich ein Miroorganismus nähert, öffnet sich blitzschnell eine winzige Klappe, und durch den zuvor hergestellten Unterdruck zieht die Falle einen Wasserstrom mitsamt der Beute in sich hinein. Genauso schnell schließt sich die Klappe wieder und hindert die Beute am Entkommen.
Diese Bewegung dauert nur 1/500 Sekunde und ist somit die schnellste Bewegung im gesamten Pflanzenreich.


Reusenfalle
Der Begriff Reusenfalle wird sowohl für die Fangnmethode als auch für die Gattung verwendet. So kann man sagen, dass die Reusenfalle als Gattung (Genlisea) als einzige die Reusenfalle als Fangmethode benutzt.
Die Reusenfalle lebt in sehr feuchten Gebieten, die Fallen der Pflanzen befinden in der Erde, ähnlich dem Wasserschlauch. Die unterschiedlichen Arten der Reusenfalle haben keine Wurzeln! Ursprüngliche Blätter wurden zu Fangorganen umgewandelt, die den Pflanzen auch zum Halt in der Erde dienen.
Es ist noch nicht gänzlich erforscht, wie die Fangorgane funktionieren. Es wird vermutet, dass die Beute nicht angesaugt wird, sondern, von Stoffausscheidungen angelockt, "freiwillig" hineinkrabbelt. Nach innen gerichtete Haare zwingen die Beute sich in eine Richtung zu bewegen bis sie in einen Hohlraum gelangt, in dem sich die Verdauungsdrüsen befinden.
Da Fallen, Beute und der eigentliche Fangvorgang winzig klein sind, könnte man selbst dann nichts beobachten, wenn sich nicht alles unter der Erde abspielen würde.